Der Ver­dacht des se­xu­el­len Miss­brauchs in fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Verfahren 

BS LEGAL Rechtsanwälte 

Der Miss­brauchs­vor­wurf vor dem Familiengericht

Bis­wei­len be­haup­tet ein El­tern­teil in fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, der an­dere El­tern­teil habe das ge­mein­same Kind se­xu­ell miss­braucht. In der Mehr­zahl der Fälle rich­tet sich der Ver­dacht ge­gen den Kin­des­va­ter. Der Ver­dacht des se­xu­el­len Miss­brauchs ist des­halb bri­sant, weil er er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf das el­ter­li­che Sorge- und Um­gangs­recht ha­ben kann. Auch zieht ein Miss­brauchs­ver­dacht na­hezu im­mer straf­recht­li­che Er­mitt­lun­gen nach sich.

Oft­mals be­ruht der Ver­dacht auf an­geb­li­chen Äu­ße­run­gen des Kin­des. Manch­mal wird der Ver­dacht aber auch nur ge­äu­ßert, um dem an­de­ren El­tern­teil zu scha­den, sei es um Um­gangs­kon­takte zu ver­mei­den oder ei­nen An­trag auf al­lei­nige el­ter­li­che Sorge zu begründen.

Ge­rade in emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Tren­nungs­si­tua­tio­nen be­steht ein er­höh­tes Ri­siko, dass Aus­sa­gen und Ver­hal­tens­wei­sen ei­nes Kin­des ein­sei­tig in Rich­tung ei­nes se­xu­el­len Miss­brauchs in­ter­pre­tiert wer­den. Je­der, der sich dem Ver­dacht ei­nes se­xu­el­len Miss­brauchs aus­ge­setzt sieht, sollte sich un­ver­züg­lich an­walt­lich be­ra­ten las­sen. Ebenso sollte sich je­der El­tern­teil be­ra­ten las­sen, der den Ver­dacht hat, das ei­gene Kind könnte se­xu­ell miss­braucht wor­den sein.

Wie ver­halte ich mich beim Ver­dacht ei­nes se­xu­el­len Missbrauchs?

Wenn Sie den Ver­dacht ha­ben, Ihr Kind könnte se­xu­ell miss­braucht wor­den sein, soll­ten Sie sich an eine Kin­der­schutz­kli­nik und an spe­zia­li­sierte Be­ra­tungs­stel­len wen­den. Auch die Ju­gend­äm­ter bie­ten in die­sen Fäl­len Be­ra­tung und Hilfe an.

Aus­drück­lich ab­zu­ra­ten ist da­von, das Kind über den Miss­brauchs­ver­dacht selbst zu be­fra­gen. Be­fra­gun­gen des Kin­des soll­ten aus­schließ­lich von Ex­per­ten vor­ge­nom­men wer­den, die spe­zi­ell für Be­fra­gun­gen von Kin­dern ge­schult sind. Be­fra­gun­gen durch fach­psy­cho­lo­gisch nicht ge­schulte Per­so­nen ber­gen das Ri­siko, dass die be­frag­ten Kin­der hier­durch un­be­wusst be­ein­flusst wer­den. Oft­mals lässt sich dann nicht mehr fest­stel­len, ob ein Kind ei­gene Er­leb­nisse wie­der­gibt, oder le­dig­lich das wie­der­holt, das von dem Fra­ge­stel­ler be­reits vor­ge­ge­ben wor­den ist. Oft­mals ist dem Fra­ge­stel­ler nicht be­wusst, dass er ei­nen ho­hen sug­ges­ti­ven Ein­fluss auf das Kind aus­übt und da­durch das Er­geb­nis der Be­fra­gung ver­fälscht. Die Be­fra­gung des Kin­des und des­sen ge­ge­bene Ant­wor­ten sind dann oft­mals pro­zes­sual nichts mehr wert.

Wel­che recht­li­chen Aus­wir­kun­gen hat der Ver­dacht ei­nes se­xu­el­len Missbrauchs?

Ein nach­ge­wie­se­ner se­xu­el­ler Miss­brauch des Kin­des führt in den meis­ten Fäl­len zu ei­nem Aus­schluss des Um­gangs­rechts und zu ei­nem Ver­lust der el­ter­li­chen Sorge. In der Pra­xis ist es je­doch schwie­rig, ei­nen se­xu­el­len Miss­brauch tat­säch­lich nach­zu­wei­sen. Eben­falls ist be­kannt, dass ge­rade in fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ein sehr ho­her An­teil der Miss­brauchs­vor­würfe zu Un­recht er­folgt. Un­sere an­walt­li­che Er­fah­rung zeigt, dass die Mehr­zahl der Miss­brauchs­vor­würfe in fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nicht be­leg­bar ist. Dass der an­dere El­tern­teil sub­jek­tiv von ei­nem se­xu­el­len Miss­brauch über­zeugt ist, reicht für eine Ein­schrän­kung des Um­gangs­rechts oder für eine Auf­he­bung der ge­mein­sa­men el­ter­li­chen Sorge nicht aus.

Wie wird der Ver­dacht auf se­xu­el­len Miss­brauch abgeklärt?

Die Ab­klä­rung ei­nes Miss­brauchs­ver­dachts ge­stal­tet sich in der Pra­xis oft als schwie­rig. Eine kör­per­li­che Un­ter­su­chung er­gibt im Re­gel­fall keine An­halts­punkte für ei­nen se­xu­el­len Über­griff. Auch dann, wenn ein se­xu­el­ler Über­griff tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat, ver­läuft die kör­per­li­che Un­ter­su­chung des Kin­des in circa 90% der Fälle un­auf­fäl­lig. Es ist also nur schwer mög­lich, ei­nen se­xu­el­len Über­griff an ei­nem Kind mit­hilfe ei­ner kör­per­li­chen Un­ter­su­chung nach­zu­wei­sen. Um­ge­kehrt be­deu­te­tet dies, dass eine un­auf­fäl­lig ver­lau­fene kör­per­li­che Un­ter­su­chung des Kin­des ei­nen se­xu­el­len Miss­brauch nicht ausschließt.

Auch ver­meint­li­che Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten ei­nes Kin­des be­le­gen ei­nen se­xu­el­len Über­griff nicht. Dies liegt darin be­grün­det, dass die denk­ba­ren Re­ak­tio­nen von Kin­dern auf ei­nen se­xu­el­len Miss­brauch zu un­ter­schied­lich sind. Es gibt keine Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten, die aus­schließ­lich von Miss­brauchs­op­fern ge­zeigt wer­den. Eben­falls ist be­kannt, dass ei­nige Miss­brauchs­op­fer über­haupt keine Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten zei­gen. Es ist also nicht mög­lich, ei­nen se­xu­el­len Miss­brauch durch an­geb­li­che Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten ei­nes Kin­des nachzuweisen.

Be­las­tende Äu­ße­run­gen ei­nes Kin­des ge­gen ei­nen El­tern­teil kön­nen ei­nen Ver­dacht auf ei­nen se­xu­el­len Miss­brauch be­grün­den, je­doch nicht ab­schlie­ßend klä­ren. In ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ist die Klä­rung ei­nes Ver­dachts auf se­xu­el­len Miss­brauch in der Re­gel nur da­durch mög­lich, dass be­las­tende Aus­sa­gen des Kin­des aus­sa­ge­psy­cho­lo­gisch un­ter­sucht wer­den. Bei der aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chung wird die Aus­sage des Kin­des dar­auf­hin un­ter­sucht, ob sie mit ho­her Wahr­schein­lich­keit er­leb­nis­ba­siert ist. Wenn der Gut­ach­ter eine Aus­sage des Kin­des für er­leb­nis­ba­siert hält, ist es Auf­gabe des Ge­richts, zu ent­schei­den, ob ein se­xu­el­ler Miss­brauch tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat.

Phy­sio­psy­cho­lo­gi­sche Gut­ach­ten (so­ge­nann­ter „Po­ly­gra­phen­test“)

Nie­mand hat in ei­nem Rechts­staat die Auf­gabe, seine ei­gene Un­schuld ak­tiv nach­zu­wei­sen. Gleich­wohl be­steht die Mög­lich­keit, pri­vat ein phy­sio­psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten ein­zu­ho­len. Hier­bei wird mit­hilfe ei­nes Po­ly­gra­phen phy­sio­lo­gisch un­ter­sucht, wie der Pro­band auf aus­ge­wählte Test­fra­gen re­agiert. An­hand der Un­ter­su­chungs­er­geb­nisse kann ein se­xu­el­ler Miss­brauch auf diese Weise oft­mals mit ho­her Wahr­schein­lich­keit aus­ge­schlos­sen wer­den. Eine phy­sio­psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chung bie­tet be­trof­fe­nen Vä­tern so­mit die Mög­lich­keit, selbst ak­tiv zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts bei­zu­tra­gen. Bei vie­len Fa­mi­li­en­ge­rich­ten ist be­reits an­er­kannt, dass das Er­geb­nis ei­nes phy­sio­psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­tens im Rah­men der Be­weis­wür­di­gung be­rück­sich­tigt wer­den muss.

Was sollte ich tun, wenn ge­gen mich der Ver­dacht ei­nes se­xu­el­len Miss­brauchs
er­ho­ben wird?

Wenn Ih­nen der Kon­takt zu Ih­rem Kind we­gen des Ver­dachts ei­nes se­xu­el­len Miss­brauchs vor­ent­hal­ten wird, ist eine an­walt­li­che Be­ra­tung un­ver­meid­bar. In die­sem Fall sollte der Um­gang schnellst­mög­lich ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den. Mit an­walt­li­cher Hilfe be­steht oft­mals die Mög­lich­keit, den Kon­takt zum Kind zu­min­dest im Rah­men von be­glei­te­ten Um­gän­gen auf­recht­zu­er­hal­ten, bis der Miss­brauchs­ver­dacht ab­ge­klärt wor­den ist.

Fach­an­walt für Fa­mi­li­en­recht - BS LEGAL Rechts­an­wälte & Steu­er­be­ra­ter

Für Fra­gen zum Vor­wurf des se­xu­el­len Miss­brauchs im fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren kön­nen Sie sich je­der­zeit an Rechts­an­walt Max Laub wen­den oder ei­nen Ter­min an un­se­rem Stand­ort in Köln on­line oder te­le­fo­nisch ver­ein­ba­ren.

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